Bevor man in Rom auf Besichtigungsrundgänge geht, ist es nützlich, sich mit der Funktionsweise der Vorbestellung von Eintrittskarten und dem Wiederverkäuferunwesen vertraut zu machen.

Die Vorbestellung von Eintrittskarten ist bei manchen Sehenswürdigkeiten (z.B. der Villa Borghese und dem Kombinat ‘Kolosseum + Forum Romanum + Palatin’) obligatorisch und wird bei anderen, z.B. den Vatikanische Museen, empfohlen. Versucht man das jedoch, stellt man (im April 2019) in allen drei genannten Fällen fest, dass die Eintrittskarten auf drei Wochen oder mehr im voraus ausgebucht sind. Befindet man sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Rom, ist es also für die meisten Besucher für die Vorbestellung zu spät. Wie aber kann es sein, dass die Karten auf Wochen hinaus ausverkauft sind?

Der Grund dafür ist nicht der – zweifellos bestehende – Massentourismus. Vielmehr werden alle im voraus verfügbaren Eintrittskarten von Wiederverkäufern (bagarini) aufgekauft. Wenn dann die Touristen, die nicht haben vorbestellen können, in endlosen Warteschlangen vor der Kasse stehen und nicht selten auch hier keinen Einlass erhalten, weil keine Eintrittskarten mehr da sind, dann erscheinen die bagarini. Viele hängen ziehen sich T-Hemden mit dem Aufdruck "Staff" an und hängen sich phantasievoll gestaltete Personalschildchen um. Sie halten Schilder mit der Aufschrift “Skip the line!” hoch und bieten den entmutigten Touristen die Eintrittskarten zu gnadenlos überhöhten Preisen an. Selbstverständlich könnte der Servizio Turistico der "Roma Capitale" (Hauptstadt Rom) verhindern, dass die Eintrittskarten von bagarini aufgekauft werden. Aber daran hat er gar kein Interesse:

In dieser Situation bietet er nämlich einen Roma Pass an. Für drei Tage kostet der (inkl. eines nicht weiter gerechtfertigten Aufschlags auf den offiziellen Verkaufspreis) 38,50 €. Dafür soll man freien Eintritt in zwei der Sehenswürdigkeiten und reduzierten Eintrittspreis in einer Reihe weiterer haben, zu denen allerdings die Vatikanischen Museen nicht gehören.

Die beiden teuersten Sehenswürdigkeiten, die mit dem Roma Pass zugänglich sind, sind die Villa Borghese (15 €) und das Kombinat ‘Kolosseum + Forum Romanum + Palatin’ (12 €). In folgenden Kulturgütern erhält man folgende Abschläge: Kapitolinische Museen: 2 €, Caracalla-Thermen: 6 €, Kombinat aus Diokletiansthermen, Palazzo Altemps und Palazzo Massimo: 8 €; Engelsburg: 8 €. Ergibt eine Gesamtersparnis von 51 €. Der Roma Pass für 38,50 € könnte also ein gutes Geschäft sein. Allerdings kann man das in Wahrheit nicht alles in drei Tagen schaffen (weswegen auch diverse zweitrangige Sehenswürdigkeiten in dieser Aufzählung weggelassen sind), so dass die Differenz schwindet.

Die Wahrheit aber ist, dass die Villa Borghese, in die man nur durch Vorbestellung hineinkommt, über drei Wochen im voraus ausgebucht ist. Kümmert man sich also erst nach der Ankunft in Rom um die Vorbestellung, müsste man einen mehr als dreiwöchigen Aufenthalt vorhaben und erst nach drei Wochen mit all den durch Roma Pass verbilligten Besichtigungen beginnen. Oder man müsste einen Monat vor der Reise nach Rom den Roma Pass und die Eintrittskarten für die Villa Borghese bestellen. Hat man das alles nicht getan, weil man z.B. diese Webseite nicht gesehen hat, dann entgeht einem die Villa Borghese und somit 15 € von der möglichen Ersparnis. Dann reduziert sich die Ersparnis auf die ebenfalls während der drei Tage kostenlosen öffentlichen Verkehrsmittel.

Hatte man in Unkenntnis des obigen einen Roma Pass gekauft und danach erst festgestellt, dass er ein Verlustgeschäft ist, so kann man ihn (auch wenn er völlig unbenutzt ist) nicht mehr zurückgeben.

Da in Kolosseum, Forum Romanum und Palatin – den Stätten der erwähnten Kombikarte – ziemlich viel zu besichtigen ist, schafft man das evtl. nicht an einem Tag. Und in der Tat wird einem an der Kasse gesagt, dass die Kombikarte zwei Tage gültig sei, so dass man die Besichtigung auch noch am nächsten Tage zu Ende bringen könnte. Wenn man dann allerdings tatsächlich am nächsten Tage mit derselben Karte wieder hinein will, wird man überrascht: Es gibt für jedes der drei Altertümer eine eigene Kasse, und man darf bei keiner Kasse ein zweites Mal hindurch. Hatte man die Besichtigung von Forum oder Palatin schon begonnen, zahlt man am folgenden Tag noch einmal oder gibt den fehlenden Teil halt dran.

Der Servizio Turistico bestätigt auf eine diesbezügliche Beschwerde hin die geschilderte Handhabung von Eintrittskarten und Roma Pass. So sei das nun mal ...

Die Verwaltung der Kulturdenkmäler von Rom denkt sich Tricks aus, auf die der ahnungslose Tourist nicht vorbereitet sein bzw. die er nicht durchschauen kann. Sie enthält ihm wesentliche Information vor oder erteilt ihm irreführende Information, um möglichst hohen Profit zu machen. Der Roma Pass ist kein Angebot, das dem sparsamen Besucher ermöglichen soll, möglichst viele Kulturgüter kennenzulernen. Er ist ein Nepp auf der Stufe der bagarini.