Vorbemerkung

Falls Sie nicht glauben, dass bei der Wahl eines guten Namens sprachliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind, können Sie gleich zum Abschnitt 3 dieser Seite springen.

Die folgenden Grundsätze zur Namenwahl setzen voraus, dass der Träger in der deutschen Sprachgemeinschaft lebt. Ist das nicht so, gelten zwar immer noch die gleichen allgemeinen Prinzipien; aber die deutschen Spezifika und die hier gegebenen Beispiele sind dann nicht mehr einschlägig.

Im einfachsten Fall – Sonderfälle bleiben unberücksichtigt – unterliegt die Namenwahl in Deutschland folgenden Gesetzen:

Im privaten Kreise kann man seinen Rufnamen nach eigenen Wünschen ändern. Nur unter Bedingungen, die hier außen vor bleiben, kann man ohne Eheschließung seinen Nachnamen ändern.

Vornamenwahl

Es gibt Eltern, die anlässlich der Taufe ihres Kindes die Gelegenheit zum Nachweis ihrer Originalität und zur Verewigung von deren Produkten für ein Menschenleben gekommen sehen. Eine nicht-egozentrische Namenswahl hingegen ist in erster Linie auf das Wohl des Kindes bedacht. Zurückhaltung und Beachtung von Normen sind vor allem bei der Wahl des Rufnamens angebracht. Für weitere Vornamen hat man freiere Hand, weil sie im täglichen Umgang kaum vorkommen. Da kann man dann – innerhalb der Grenzen des guten Geschmacks – die Ahnenschaft aufmarschieren lassen oder sonstigen Assoziationen freien Lauf lassen. Das folgende bezieht sich deshalb in erster Linie auf den Rufnamen.

Es ist weithin üblich, sein Kind auf einen Namen zu taufen, der persönlichen Präferenzen entspricht. Da soll sich der eigene Dialekthintergrund, ein angehimmeltes Idol oder eine literarische Figur manifestieren. Das ist alles zulässig, solange es zweitrangiges Kriterium bleibt. Das erstrangige Kriterium ist immer die Frage: Wie wird der Träger dieses Namens sich ein Leben lang damit fühlen? Worauf muss er sich gefasst machen, wenn er sich seiner Angebeteten oder seinem künftigen Chef vorstellt? Niemand will jedes Mal, wenn er irgendwo eingeführt wird, gezwungen sein, seinen Namen zu erläutern. Ebensowenig sollte man dafür sorgen, dass der Träger durch seinen Namen auffällt. Wenn er durch Äußerlichkeiten auffallen will, muss ihm das selbst überlassen bleiben. Stattdessen soll der Name spontane Sympathie wecken dadurch, dass er gut klingt.

Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Vornamens für das Kind sind wie folgt zu klassifizieren:

  1. Soziale Kriterien
  2. Semantische Kriterien
  3. Phonologische Kriterien
  4. Orthographische Kriterien

Soziale Kriterien

Ein viel beachtetes Kriterium der Namenswahl ist die Üblichkeit in der Sprachgemeinschaft. Manche legen es auf einen völlig ausgefallenen Namen an; andere bevorzugen Allerweltsnamen oder merken nicht, dass sie einen solchen gewählt haben. Völlig unübliche Namen verstoßen gegen den Grundsatz, dass der Träger nicht durch seinen Namen auffallen soll. Ein Name wie Osiris oder Daphne lässt zweifellos Schlüsse auf den Bildungsgrad der Eltern zu; aber wieso soll das Aufgabe seines Trägers sein? Und andererseits gibt es Namen wie Peter und Anna, die zu allen Zeiten häufig sind. Damit fällt der Träger bestimmt nicht auf, wird allerdings auch nicht gerade sehr effizient individuiert.

Vornamen unterliegen, wie alles in der Sprache, der Mode. Im Jahre 2018 war es keine sehr ausgefallene Idee, seine Tochter Emma und seinen Sohn Ben zu nennen. Die können sich dann darauf vorbereiten, ihr Leben lang Verwechslungen mit gleichaltrigen Namensvettern aufklären zu müssen. Manche Moden sind sehr kurzlebig. Nur in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre wollten alle ihre Tochter unbedingt Renate nennen; vorher und nachher war es ein Name unter anderen. Viele Namen, die ehemals üblich gewesen sind, sind zu einem späteren Zeitpunkt völlig aus der Mode. Vor hundert Jahren hießen zahlreiche Männer Walter und Frauen Frieda. Würde man heute sein Kind so nennen, würde man es in die Kaiserzeit verpflanzen. Manche Moden kehren allerdings wieder: Frieda hat 2019 immerhin die Position 14 in der Rangliste.

Fazit: Ein guter Vorname ist weder gerade modisch noch völlig unüblich oder obsolet, sondern nimmt eine mittlere Position in der Statistik ein. Solche Statistiken stehen öffentlich zur Verfügung; man braucht sie nur zu konsultieren. Die obersten Positionen der aktuellen Statistik kann man Zwangskonformisten überlassen.

In vielen Gesellschaften ist es üblich, seinem Kind den eigenen Namen zu geben. Das führt natürlich zu Verwechslungen oder zum Zusatz von sen. und jun. Manch einer wünscht sich, dass das Kind eine Reinkarnation von ihm selbst ist; aber muss das Kind ein Leben lang durch den Namen daran erinnert werden?

Auch die Vergabe des Namens einer Berühmtheit will kritisch bedacht sein. Wer während des Dritten Reichs auf den Namen Adolf getauft wurde, ist später damit nicht glücklich geworden. Die Namen anderer berühmter Persönlichkeiten mögen weniger heikel sein; aber ist man sicher, dass der Sohn oder die Tochter sich mit ihnen identifizieren will?

Sehr viele völlig gebräuchliche Namen sind als Kosenamen, Rufnamen oder Abkürzungen entstanden. So ist Sonja ursprünglich ein Deminutiv von Sophia, Grete ist aus Margarete und Kathrin aus Katharina gekürzt. Diese Namen klingen jetzt nicht mehr wie Kosenamen. Anders ist es mit Namen wie Babsi, Mimi, Lilly, Ronny/Ronnie, Andi/Andy, Teddy/Teddie und dergleichen mehr. Man sollte bedenken, dass der so Benannte nicht ewig ein Kleinkind bleiben und eines Tages wahrscheinlich lieber einen erwachsen klingenden Namen haben wird.

Wenn der Nachname auch als Vorname gebräuchlich ist, sollte der Sohn nicht unbedingt diesen Vornamen bekommen (Typ Hermann Hermann), sondern jedenfalls einen Vornamen, der nicht als Nachname vorkommt (z.B. Josef Hermann), damit er nicht ständig gefragt wird, welches nun der Vorname ist.

Verschiedene Vornamen sind in verschiedenen sozialen Gruppen beliebt. Auch heute noch heißen viele adlige Mädchen Marie-Luise oder Isabella und Buben Adrian oder Johann. Und andererseits scheint es erwiesen, dass der schlechte Ruf von Kevin und Chantal darin begründet ist, dass diese Namen zeitweise in schlichteren Kreisen beliebt waren. Man sollte sich also, wenn man seinem Kind einen gruppenspezifischen Namen gibt, darüber im klaren sein, dass man es auch sozial abstempelt.

Semantische Kriterien

Auch in Zeiten von drei oder mehr Geschlechtern hat man es für wahrscheinlich zu halten, dass das eigene Kind eines Tages als Mann oder als Frau wird gelten wollen. Im Deutschen, und entsprechend in der deutschsprachigen Gesellschaft, ist das Geschlecht ein Merkmal des Vornamens. Folglich gibt man seinem Kind keinen geschlechtsneutralen Namen wie Kim, Andrea oder Dominique; damit brockt man ihm erhebliche Unannehmlichkeiten ein (auch wenn der Standesbeamte ohnehin darauf besteht, einen weiteren, eindeutigen Vornamen hinzuzufügen).

Davon abgesehen haben die meisten Vornamen keine Bedeutung. Dass Sophia auf Griechisch “Weisheit” und Dietrich im Althochdeutschen “Volksherrscher” bedeutet, gibt zwar gelegentlich unterhaltsamen Gesprächsstoff ab, ist aber sonst weder für die Vergabe noch für den alltäglichen Gebrauch des Namens wichtig. Offensichtlich bedeutungsvolle Vornamen wie Gottlieb und Friedensreich sind derzeit nicht in Mode, so dass sich der Hinweis auf ihre Problematik erübrigt.

Hat der Nachname eine Bedeutung, wählt man tunlichst einen Vornamen, der an nichts erinnert. Es genügt, an Reiner Zufall zu denken, um sich klar zu machen, worum es geht. Ist man mit einem unschönen Nachnamen geschlagen, so ist es keine gute Idee, das mit einem hochtrabenden Vornamen kompensieren zu wollen. Trägt man einen leicht plebejisch klingenden Nachnamen wie Zugwurst, so setzt man sich mit einem hochgestochenen Vornamen wie Raphaela nur zusätzlichem Spott aus. Ratsamer ist es hier, durch einen unauffälligen Vornamen die Aufmerksamkeit überhaupt vom Namen abzulenken.

Phonologische Kriterien

Es gibt kaum Vornamen (wohl aber Nachnamen), die schon von sich aus nicht gut klingen. Die phonologischen Kriterien kommen deshalb in erster Linie beim Zusammentreffen des Vornamens mit dem Nachnamen zum Zuge. Sie betreffen vor allem die Akzentstruktur (vulgo die Betonung) und die phonotaktische Struktur, d.h. die Zusammensetzung der Wörter aus Konsonanten und Vokalen.

Akzentstruktur

Besteht ein Name aus nur einer Silbe, so hat diese jedenfalls den Wortakzent. Setzt man ein Substantiv aus zwei einsilbigen Substantiven zusammen, so würde sich eine Folge von zwei betonten Silben in einem Wort ergeben. Das lässt allerdings das Sprachsystem nicht zu; eine der beiden Komponenten verliert ihren Hauptakzent und bekommt in der Kombination höchstens einen Nebenakzent. Heißt z.B. jemand Karl-Heinz, so wird der Doppelname meistens mit Hauptakzent auf der zweiten Silbe, gelegentlich stattdessen mit Hauptakzent auf der ersten Silbe (s.u.), nie jedoch mit gleichem Akzent auf beiden Silben ausgesprochen. Hieraus lernt man, dass die unmittelbare Aufeinanderfolge zweier betonter Silben unerwünscht ist. Phonologisch flüssiger ist ein Wechsel zwischen betonten und unbetonten Silben, wie in Marianne (zusammengesetzt aus Marie und Anne).

Ein Zweisilbler hat den Akzent entweder auf der ersten Silbe, wie in Anna, oder auf der zweiten, wie in Claudine /klo'din/. Das erste Muster ist ein Trochäus, das zweite ein Iambus. Deutsche Namen – d.h. solche, die nicht aus anderen Sprachen entlehnt sind – haben fast immer ein trochäisches Akzentmuster. Das gilt sowohl für Vornamen wie Anna und Hartmut als auch für Nachnamen wie Müller oder Lehmann. Bei mehr als drei Silben wiederholt sich meist das trochäische Muster, z.B. in Hannelore und Angermeier. Iambische Akzentmuster finden sich vor allem in Namen, die aus anderen Sprachen kommen, wie in den Vornamen Claudine, Charlotte und Marcel oder den Nachnamen Fontane und Dombrowski. In ursprünglich deutschen Namen sind sie ausgesprochen selten; Beispiele sind Hermine, Roswitha bzw. Gesell oder Gamillscheg.

Der Hang zu trochäischer Struktur erweist sich auch in der Anpassung der Akzentstruktur von ausländischen und zusammengesetzten Namen. Sophie hat von Hause aus iambische Struktur, wird aber hierzulande auf der ersten Silbe betont. Der Nachname Vordemfelde sollte den Hauptakzent auf der dritten Silbe haben, hat ihn aber gewöhnlich auf der ersten. Dauerhaft widersetzen können sich dieser Tendenz nur Doppelnamen; denn die sind nicht eigentlich zusammengesetzt, sondern bestehen aus zwei Wörtern. Das gilt für Vornamen wie Friedrich-Wilhelm und für Nachnamen wie Schulze-Delitzsch. Solche Gruppen haben den Hauptakzent ursprünglich auf dem zweiten Bestandteil. Aber selbst da setzt sich der Trochäus durch, sobald der Doppelname ein zusammengesetzter wird. Hannelore (aus Johanna Eleonore) hat schon längst den Hauptakzent auf der ersten Silbe; und die Tendenz zur Anfangsbetonung erfasst sogar Karl-Heinz, was entsprechend auch Karlheinz geschrieben wird.

Aus alldem ergibt sich ein akzentstrukturelles Prinzip bei der Vornamenswahl: Die Gruppe aus Vor- und Nachname sollte einen Wechsel von betonten und unbetonten Silben aufweisen. Das unmittelbare Zusammentreffen zweier betonter Silben ist zu meiden. Hat man einen Nachnamen mit trochäischem Muster, sind iambische Vornamen grundsätzlich mit Vorsicht zu behandeln. Heißt man Müller, so nennt man sein Kind besser Josef oder Maria als Alain oder Yvonne (/i'von/).

Diese Regel benachteiligt einsilbige Vornamen wie Jens und Ann, insofern bei trochäischem Nachnamen notwendigerweise zwei betonte Silben aufeinandertreffen. Optimal klingen sie nur mit iambisch anfangenden Nachnamen, z.B. Paul Kastovsky oder Grit Georges. Jens Schmidt hingegen verletzt gleich mehrere phonologische Prinzipien.

Mehrsilbler haben normalerweise den Akzent auf einer der ersten beiden Silben. Bei Nachnamen genügt der Blick auf diese beiden Silben, da im Deutschen der Vorname dem Nachnamen vorangeht. Ein auf der ersten Silbe betonter Dreisilbler hat die Struktur eines Daktylus. Daktylische Vornamen sind z.B. Nathalie und Konstantin. Auch sie bieten keine gleichförmige Abwechslung von betonten und unbetonten Silben. Aber im Gegensatz zur unmittelbaren Folge zweier betonter Silben wirkt die unmittelbare Folge zweier unbetonter Silben nicht schwer, sondern leicht. Ein daktylischer Vorname kombiniert sich zwanglos mit einem trochäischen Nachnamen, wie in Stefanie Schulze. Ein Daktylus ergibt sich auch bei der Kombination eines trochäischen Vornamens mit einem iambisch beginnenden Nachnamen, Typ Anna Weinitschke. Suboptimal ist hingegen die Folge dreier unbetonter Silben, wie sie bei Kombination eines daktylischen Vornamens mit einem iambisch beginnenden Nachnamen resultiert. Barbara Verleger wäre in dieser Hinsicht besser Sandra oder Marie getauft worden.

Phonotaktik

In allen Sprachen einschließlich Deutsch ist die gefälligste und unproblematischste Silbe aus einem einzigen Konsonanten und einem einzigen Vokal zusammengesetzt. Vornamen wie Timo, Toni, Maja und Nora weisen diese Struktur auf. Sie passen zu fast allen Nachnamen und bereiten übrigens auch keinem Ausländer Ausspracheschwierigkeiten. Ursprünglich deutsche männliche Vornamen mit dem phonotaktischen Muster ‘Konsonant-Vokal’ gibt es freilich nicht so viele. Namen wie Otto, Udo und Uwe enden zwar auf Vokal, beginnen aber auch mit einem. Diese kleine Abweichung von der optimalen Silbenstruktur fällt aber bei Vornamen nicht ins Gewicht; tatsächlich weisen sehr viele Vornamen sie auf. Namen wie Malte und Marco haben eine geschlossene erste Silbe. Auch diese kleine Komplikation stellt, was die Kombination mit Nachnamen betrifft, kein Problem dar.

Aufpassen muss man hingegen, wenn die letzte Silbe des Vornamens geschlossen ist. Denn wenn der Nachname – wie die Mehrzahl – mit Konsonant beginnt, treffen zwei Konsonanten aufeinander. Das wird desto unästhetischer, je ähnlicher die beiden sind. Die wichtigste Unterteilung von Konsonanten ist in diesem Zusammenhang diejenige in Obstruenten und Sonoranten. Die letzteren sind die Liquiden l und r und die Nasale m und n. In der Reihenfolge abnehmender Schönheit sind die folgenden Kombinationen zu unterscheiden:

Auf Konsonant endende Vornamen sind hingegen unproblematisch und evtl. sogar vorzuziehen, wenn der Nachname mit Vokal beginnt. Während nach dem zuvor Gesagten Ingrid Dreher in Zungenbrecherei mündet, ginge etwa Ingrid Auweiler völlig in Ordnung. Bei vokalisch anlautendem Nachnamen sind auch Vornamen unbedenklich, die auf eine Konsonantengruppe enden, z.B. Norbert Ohnesorg. Behutsam zu wählen hingegen sind in diesem Falle auf Vokal endende Vornamen. Sind die Vokale verschieden, wie in Melanie Underberg, entsteht kaum ein Problem; Ilona Ahlborn oder René Ehlers müssen dagegen nicht sein.

Dass der Vorname mit dem Nachnamen harmonieren soll, bedeutet nicht, dass es irgendeine Form von Gleichklang geben muss. Im Gegenteil, mit phonologischer Variation zwischen Vor- und Nachnamen, wie in Helmut Schmidt oder Angela Merkel, macht man jedenfalls nichts falsch. Auch Assonanzen, die völlig unterschwellig bleiben, wie in Martin Burgmann, wirken harmonisch. Daneben gibt es verschiedene Formen von Gleichklang, hier in der Reihenfolge zunehmender Auffälligkeit aufgeführt:

Über die Ästhetik solcher Kombinationen kann man geteilter Meinung sein.

Endlich fordern lange oder komplizierte Namen die Umwelt zu Abänderungen und Kürzungen heraus. Anstatt seinen Sohn Maximilian zu nennen, kann man ihn auch gleich Max nennen.1 Meine Eltern haben mich Christian-Werner getauft; daran hat sich überhaupt nie jemand gehalten.

Orthographische Kriterien

Hier gibt es nur eine einzige wichtige Regel: Wähle die jeweils üblichste Orthographie. Man kann seinen Sohn ohne weiteres Konrad nennen; nennt man ihn aber Conrad, brockt man ihm Komplikationen fürs ganze Leben ein. Auch hier gilt wieder: Überlass es deinem Kinde, ob und wodurch es auffallen will.

Kann man vorwegnehmen, dass das Kind sich oft in nicht deutschsprachiger Umgebung aufhalten wird, wird man auf Namen mit Umlauten wie Cäcilie, Björn und Jürgen verzichten.

Nachnamenwahl

Es gibt Nachnamen, die den Träger nicht zieren, wie Rindfleisch oder Unrat. Und viele Menschen wurden auf einen Vornamen getauft, der nicht zu ihrem Nachnamen passt; s.o. Die Verehelichung gibt solchen Menschen die Chance zur Wahl eines anderen Nachnamens.

Als im Dezember 2018 die Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt wurde, beölten sich die deutschen Medien über die mehr oder minder gelungenen Versuche der Sprecher ausländischer Rundfunkanstalten, diesen Namen auszusprechen. Offensichtlich war er für mehrere ein Zungenbrecher. Dabei konnte man sich auch mal fragen, ob das Problem des Namens eigentlich ausschließlich auf Seiten derjenigen liegt, die Mühe haben, ihn auszusprechen.

Der Familienname Kramp ist erstens ein Einsilbler und hat zweitens eine relativ komplexe phonologische Struktur, denn er beginnt und endet mit einer Konsonantengruppe. Gemäß oben Gesagtem wird man als Träger dieses Namens also seinem Kind einen Vornamen geben, der erstens nicht auf der letzten Silbe betont ist und zweitens nicht auf Konsonant endet. Der Vorname Annegret hat zwar nicht den Hauptakzent, wohl aber einen Nebenakzent auf der letzten Silbe (er ist ja aus Anne und Gret(e) zusammengesetzt). Die Konsonantengruppe, mit der diese beginnt, ist fast die gleiche wie die anlautende von Kramp, was zwei aufeinanderfolgende Silben mit gleichem komplexen Anlaut produziert. Schließlich endet der Vorname auch noch auf Konsonant, so dass an der Wortgrenze drei Konsonanten aufeinander treffen. Dieser Vorname eignet sich folglich schlecht zur Kombination mit dem Nachnamen Kramp. (Anne hätte diese Probleme vermieden.)

Als Annegret Kramp Herrn Karrenbauer heiratete, konnten die beiden ihren Ehenamen wählen. Hier hatte sie die Gelegenheit, ihren Vornamen mit einem phonologisch passenderen Nachnamen zu kombinieren. Der Doppelname Kramp-Karrenbauer eliminiert keinen der bestehenden phonologischen Stolpersteine, schafft aber einen zusätzlichen. Denn hier folgen zwei Hauptakzente unmittelbar aufeinander; in der Kombination mit Annegret sind es dann drei akzentuierte Silben in Folge. Die Alternative war Karrenbauer als Familienname. Der ist zwar auch auf der ersten Silbe betont; aber da er noch einen Nebenakzent hat, zieht nicht eine einzige (erste) Silbe den ganzen Wortakzent auf sich. Und statt mit einer Konsonantengruppe beginnt der Name mit einem einzelnen Konsonanten. Annegret Karrenbauer ist zwar nach obigen phonologischen Kriterien kein phonologisches Optimum. Aber etwas Passenderes stand nicht zur Wahl; und diese Kombination hätte jedenfalls nicht zu den Lacherfolgen über Sprecher von Sprachen mit einfacherer Phonologie geführt.

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1 Bekanntlich nannte Ringo Starr seinen Sohn Zak, um zu vermeiden, dass andere Leute den Namen abkürzen.