Für den Text eines Audioguides gibt es ein Original in der Landessprache und dann nicht selten Versionen in anderen Sprachen. Für die Originalversion findet sich meist ein einigermaßen kompetenter Sprecher. Sprecher der anderen Sprachen muss man bei Produktion der Audioguides irgendwie finden.

Das folgende ist eine Reaktion auf die Nutzung von Audioguides in den Kathedralen von León, Zamora und Burgos im Jahre 2018. Aber zweifellos kann man gleichartige Erfahrungen mit Audioguides in der ganzen Welt machen.1

Natürlich kommen in den Texten alle möglichen Namen und sonstige Wörter des Spanischen vor. Wenn man Spanisch kann, kann man sie richtig aussprechen. Das können die deutschen Muttersprachler, die die Aufnahmen gemacht haben, höchstens ansatzweise. Sie sprechen die Wörter überwiegend so aus, wie man als Mensch deutscher Muttersprache halt geschriebene Wörter unbekannter Sprachen ausspricht. Ferner enthalten die Texte – da sie von Kathedralen und den enthaltenen Kunstwerken handeln – auch einige Wörter anderer Sprachen, insbesondere Französisch, Italienisch, Latein und gelegentlich auch Griechisch. Das können die Volontäre erst recht nicht. Beim Vorlesen einer lateinischen Inschrift brechen sie sich die Zunge ab, italienische Wörter werden, soweit man denn doch ein wenig Spanisch kann, hispanisiert, und griechische Wörter werden auf der falschen Silbe betont.

Tja, nicht jeder kann Fremdsprachen; aber ihre Muttersprache sollten die Leute vielleicht beherrschen. Weit gefehlt. Sie scheitern an gewöhnlichen Fremdwörtern wie Relief, Reliquie oder Kapitel (letzteres verwechseln sie mit Kapitell). Sie wissen nicht, dass man erst am Satzende die Stimme senkt, und tun das stattdessen an jedem Punkt, bis zu dem sie den Text im voraus erhascht haben. Sie stellen tatsächlich überhaupt keine Ansprüche an die Qualität ihres Produkts: wenn sie sich verhaspelt haben, wiederholen sie nicht etwa diese Aufnahme, sondern belassen es halt dabei.

Niemand kann alles wissen. Aber man kann von einem denkenden Menschen erwarten, dass er weiß, dass er etwas nicht weiß, und sich entsprechend kundig macht. Diese Leute hingegen sind einfach Banausen.

Die Hauptverantwortung liegt allerdings bei der Institution, die die Audioguides erstellt. Wenn denn das Werk, durch das sie führen, zum Unesco-Kulturerbe der Menschheit gehört, dann muss auch ihr Text und seine Darbietung diesem Niveau entsprechen. Dann kann man mit seiner Verlesung nicht irgendwelche hergelaufenen Rucksacktouristen betrauen, um ein paar Euro zu sparen. Das ist ein Mangel an Respekt vor dem Bauwerk und seiner Kunst ebenso wie vor den Besuchern, die es wertschätzen und die man mit solchen auditiven Machwerken belämmert.


1 Ein italienischer Kollege berichtet, dass der italienische Text des Audioguides der Münchner Pinakothek eben dieselben Eigenschaften aufweist.